Horst Ziegler, 13.12.2025
Künstliche Intelligence (KI / AI) in der Software Entwicklung - Ein Beruf ohne Zukunft?
In den sozialen Medien wie z.B. Linkedin explodieren momentan förmlich die Konzepte mit euphorischen Schlagzeilen
und Bildern die Kl als Allheilmittel der Prozessoptimierung und Softwareentwicklung propagieren. Unglaublich
was da für ein Hype aufgebaut wird. "Dynamische Agenten-Orchestrierungstools als Business Rakete" ist so eine
KI Phrase, sozusagen die
"Eierlegende Wollmilchsau" welche endlich alle Unternehmensprozesse in Ordnung bringt. So, als ob früher alles
Mist gewesen ist. Unsinn, erfolgreiche Unternehmen setzen bei ihren zentralen Geschäftsprozessen statt auf
gefährliche Luftblasen weiterhin auf praktikable und erprobte Business Intelligence (BI) Lösungen. Natürlich
können sinnvoll integrierbare KI Bausteine dabei eingesetzt werden.
Wenn man klar definierte Aufgaben an KI übergibt und sich darauf konzentriert, die Funktionalität, Layout und UI schrittweise auszubauen, zu korrigieren und zu optimieren dann kann es funktionieren.
"KI / AI ersetzt künftig den Software Entwickler" behauptet die Presse.
"6500 Entwickler sind 2025 schon arbeitslos". Aber ist die Schlussfolgerung richtig, dass der Informatiker oder
Softwareentwickler wegen KI keine Zukunft mehr hat oder hat der Stellenabbau nicht andere Gründe wie z.B. fehlende
Qualifikation oder zunehmende Insolvenzen durch die schlechte wirtschaftliche Lage?
Trotzdem stellt man sich als Software Entwickler natürlich
die Frage, ob man seinen Kindern empfehlen soll,
Informatik zu studieren.
Ich kann die Sorge meiner Tochter sehr gut nachvollziehen - besonders weil ich selbst viel mit dieser KI
genannten Technologie gearbeitet
habe. Und gerade deshalb habe ich eine differenziertere Einschätzung:
Denn die Realität sieht anders aus. In verschiedenen anspruchsvollen, hochintegrierten Projekten habe ich erlebt,
wieviel Zeit, Geduld und wieviele
Iterationsschritte für die Software Abstimmung mit dem KI System investiert werden mussten, bis alles verstanden wurde und
die Ergebnisse einigermaßen den gestellten Anforderungen entsprachen.
Ein erster Vorschlag des generierten Codes ist zwar schnell verfügbar aber ohne intensive Kommunikation,
Qualitätssicherung und Klärung von Unstimmigkeiten oder Sicherheitsfragen ist das Coding produktiv nicht nutzbar.
Auch KI benötigt in der Regel eine Prozessoptimierung. Die Frage ist also nicht, ob oder warum ich KI einsetze
sondern wie ich KI einsetze.
Die Stärken der heutigen KI Systeme in der Softwareentwicklung:
- KI ähnelt einem brillanten Codierer
- KI-Tools können sehr schnell einen Coding Rahmen erstellen
- Sie können Software-Bugs erkennen, testen und beseitigen.
- Sie können bei Feinabstimmung und Ergänzung des Codes helfen.
- Sie können die Produktionszeit des Code-Rahmens optimieren.
- Sie kennen die optimale, moderne Software Architektur
- Sie sind lernfähig. Nach intensiver Kommunikation machen sie Vorschläge für zukünftige Hilfen oder
Erweiterungen.
Aber: Die Schwächen der heutigen KI Systeme müssen auch erkannt werden:
- Ki versteht Kontext nicht intuitiv
- KI braucht klare Spezifikationen und Feedback
- KI übersieht implizite Anforderungen
- KI kennt organisatorische "Tribal Knowledge" nicht
- KI liefert nicht immer fehlerfreie oder die gewünschten Ergebnisse.
- Und vor allem: KI entwickelt nicht ohne Input kreativ komplexe Anwendungen
- Auch zukünftig wird KI deshalb den erfahrenen Softwareentwickler zwar unterstützen, ihn aber aber nicht
ersetzen können.
Denn Software Engineering ist mehr als reine Code-Erstellung. Es erfordert:
- Analytisches Denken: Die Fähigkeit, unklare Anforderungen zu klären und in Lösungen umzusetzen.
- Domänenverständnis: Branchenwissen, das nicht in Dokumenten steht und über Suchalgorithmen gefunden wird
- Abstraktionsfähigkeit: Vom vagen Wunsch zum spezifizierten System
- Kommunikation: Missverständnisse erkennen und auflösen
- Visuelle Vorstellungen in gewünschtes Layout im Corporate Design umzusetzen
- Integrationsfragen mit externer Software zu berücksichtigen
Warum der Beruf des Informatikers also weiterhin attraktiv ist:
- Die menschlichen Fähigkeiten werden durch KI nicht obsolet - im Gegenteil, sie werden eher noch wertvoller.
- Problemlösungsfähigkeiten bleiben essentiell
- Analytisches Knowledge Management ist mehr als vergleichendes Suchen im Netz
- Qualitätssicherung von KI-generiertem Code ist eine neue Schlüsselkompetenz
- Die Softwareentwicklung wird transformiert, aber nicht ersetzt
- Die Rolle wird sich vom reinen Codierer hin zum "KI Architekten" oder "Technologie-Übersetzer" entwickeln.
- KI-Systeme müssen trainiert, implementiert und vor allem verantwortungsvoll eingesetzt werden. Das schafft
neuen Bedarf
- Gute Softwareentwickler haben nicht nur technische und handwerkliche Fähigkeiten sondern vor allem ein
ausgeprägtes Verständnis für interaktive und visuelle Anwenderfreundlichkeit und Integrationsfragen.
- Sie sind kommunikationsstark und berücksichtigen die neuen, KI optimierten Geschäftsprozesse von Unternehmen
und ihren Beratern in einem ständig wechselnden Umfeld
Ausblick:
- Die Befürchtigung einiger Skeptiker, dass KI sich von einem Google-ähnlichen Suchalgorithmus hin zu einer intelligenten und
sich selbst optimierenden Darwin Gödel Maschine (DGM) oder sogar einer Huxley-Gödel-Maschine (HGM) entwickelt,
ihren eigenen Code schreibt, sich selbst abschirmt, vor Eingriffen schützt und dadurch die Menschheit gefährdet ist
noch reine Science Fiction.
- Um das menschliche Gehirn mit seinen kognitiven und analytischen Fähigkeiten 100 prozentig zu imitieren, werden
Rechnerleistungen benötigt die weder verfügbar noch zumindest in absehbarer Zeit denkbar sind.
- Trotzdem ist das ein Aspekt, der verantwortungsvoll kontrolliert werden muss.
Horst Ziegler, Informatiker, Unternehmensberater, Unternehmer
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